Die Stadt, die es nicht gibt. Bilder globaler Räume

Thongil Street, Pyongyang North Korea, 2005
Armin Linke, © Galerie Klosterfelde

Im Aachener Ludwigforum beschäftigt sich eine aktuelle Ausstellung mit der medialen Rezeption von Orten. 20 Künstler aus dem Bereich der Film-, Foto- und Videokunst interpretieren jeweils auf ihre eigene Art Architekturen, die aus ihrem Kontext gerissen werden und dem Betrachter als Projektionsfläche für eigene Gefühle und Gedanken dienen. Sie konfrontieren den Besucher mit seinen Klischees, sowie eingebildeten Kenntnissen über Orte, die über den ganzen Globus verteilt sind. Jeder Ort scheint schon einen Platz im Denkschema zu haben.

Da ist der riesige Platz in Pjöngjang, mitten in Nordkoreas überaltertem System, in dem wirtschaftlichen Mängeln eine glorifizierende Selbstinszenierung entgegengesetzt wird. Die Fotografien hingegen wirken trocken dokumentierend, die städtebaulich angebotenen Sichtachsen brav aufnehmend, aber der Maßstab des Platzes ist selbstentlarvend. Es ist eine negative Wertung ohne Häme, es ist ein abgeschlossenes Unverständnis.

In einem anderen Raum wird Fritz Langs Metropolis mit den aktuellen Zuständen in China zusammengebracht. Wanderarbeiter, die in Tunneln Schweißarbeiten verrichten, während die neonfunkelnde Stadt in den Hochhausetagen Privilegierten vorbehalten ist. Ein Heer gleichgeschalteter anonymer Arbeiter haust in zu kleinen Baracken, wird schlecht entlohnt und bekommt kaum genug zum Essen, während sich die Oberschicht mit Beauty, Fashion und Lifestyle amüsiert.

Die Arbeit „Desert Cities“ zeigt gescheiterte Projekte des sozialen Wohnungsbau in der Peripherie von Kairo. Die menschenleeren ausgehöhlten Betonstrukturen werden von der Wüste zurückerobert. Die Bilder sind schön, die Farben laufen harmonisch ineinander und falls es dort jemals Probleme gab, so haben die Menschen sie mitgenommen. Zurück bleibt etwas, an dem es dem modernen Stadtmenschen mangelt; Raum und Zeit.

Eine ungewöhnliche Ausstellung, für die man etwas mehr Zeit einplanen sollte. Jedes Projekt fordert einem eine neue inhaltliche Orientierung ab. Die Medien sind sehr wechselhaft, von der Postkarte bis zum hochauflösenden Riesenpanorama, vom zweistündigen tunesischen Spielfilm bis zur abstrakten Videoinstallation gibt es eine große Bandbreite. Die perfekte Beschäftigung für einen verregneten freien Nachmittag. Die Ausstellung ist noch bis zum 17.02.2013 zu sehen.

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